Black & White Hockenheimring Drift 10.12.2011

10.12.2011 von Andreas Gersch

Es ist noch früh. Es ist kühl und noch etwas nass. Sehr gute Grundvoraussetzungen für einen vllt. Spektakulären Tag auf der bekanntesten Rennstrecke Deutschlands.

Das Wort ‚eventuell’ kannst du gleich vergessen, denn Spektakulär wurde es definitiv.

Alle stehen im Fahrerlager und warten geduldig auf die Fahrerbesprechung. Als sie beginnt hören sie genau hin, denn jeder will wissen auf welchem Streckenabschnitt des Rings er sich und sein Fahrzeug an den Rand des Möglichen bringen kann. Fahrzeuge die getunt und für die Driftstrecke präpariert sind. Die richtigen Felgen und Reifen sind auf der Hinterachse montiert. Die Motoren laufen warm.

Auch Ralf, Alexej, Stefan und das Shelby Traumpaar Marcia und Micha wollen endlich starten. Starten in einen Tag an dem sie sich wieder einer neuen Herausforderung stellen wollen. Wissen wollen, wie es ist hoch konzentriert ihren Nissan, Ford oder Shelby Mustang dauerhaft im Grenzbereich zu bewegen.

Auf den unterschiedlichen und mit extra Wasser vorbereiteten Streckenabschnitten wird gleichzeitig mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden gefahren. Ralf bewegt seinen giftgrünen Nissan Z 200 auf der original Rennstrecke. Alexej und sein Freund driften ihre beiden selbst aufgebauten Nissan Z 350 im Handligkurs dicht nebeneinander. Ein gut eingespieltes Team, das sieht man. Stefan bewegt seinen ‚look like’ Ford Sierra Cosworth mit 3.0L Maschine souverän im Drift an der Mercedes Tribüne vorbei.

Marcia und Micha, das Shelby Traumpaar. Kennengelernt haben sie sich über ihre Muscle Cars. Einiges hätte es darüber zu besprechen gegeben. Das glaube ich gern. Zusammen Black and White am Hockenheimring lassen sie die Shelby Mustang 500GT PS brüllen. Eine Motorhaube bis zum Horizont. Ein Fahrgefühl welches direkter und kraftstrotzender nicht sein kann. Die Giftnatter im riesigen Kühlergrill sitzt vor den 5.4 Litern Hubraum, die dafür sorgen, dass das Gummi der Hinterräder auch noch im 4. Gang mit dem Asphalt verschmilzt. Micha setzt seinen weißen Helm auf. Rollt in Richtung Startlinie. Vor uns 200 m bis zur ersten Linkskurve. Es ist soweit. Ich klemme mich im Fußraum mit meinen Beinen links und rechts fest. Das sollte reichen, dachte ich. Micha schaut auf den Mann vom Streckenpersonal. Die Fahne sinkt und noch bevor die Hand des Streckenpostens unten ist, brüllt der Mustang mit allem was er hat los. Der erste Gang vorbei, der zweite Gang reisst an der Antriebswelle und schon geht es im Drift in die erste 45 Grad links, um vor der Mercedestribüne das Lenkrad sofort wieder in die entgegen gesetzte Richtung einzulenken. Nein, doch anders herum.

Micha nimmt die Hände vom Lenkrad, lässt den Mustang zügellos galoppieren. Links, rechts, links…

Man spürt den ununterbrochenen Vortrieb. Maßlos und unaufhaltsam Richtung Ziel. Ankommen will man nicht, man will nur immer mehr, immer weiter. Unglaublich diese geballte Kraft unter dem Power Dome, entwickelt in Dearborn, Michigan USA.

Es ist Nachmittag, es war ein beeindruckender Tag mit besonders netten Menschen. Driften ist Kunst, das kann ich nun sagen und es ist ein langer Weg zur Perfektion. Ich danke allen Beteiligen für die interessanten Einblicke in eine der außergewöhnlichsten Welten des Motorsports und das Gefühl zu Wissen wie es ist schwerelos die Gesetze der Schwerkraft zu überwinden. Sicher sehen wir uns wieder.

Text- & Bildquelle: ANABOLICAR