Maserati MC 12 Corsa – von 0-200 km/h unter 7 Sekunden…

Von 0-100 km/h unter 3 Sekunden, von 0-200 km/h unter 7 Sekunden…

Nein, es ist kein Formel 1 sondern die Nr. 8 unter den weltweit nur 12 Stück gebauten Rennwagen Maserati MC 12 Corsa.

Hier in Ahlen gibt Supersportwagen-Tuner edo competition dem extra aus Kanada angereisten Zahir Rana, erfolgreicher Sportwagenhändler von ZR auto exotic cars in Calgary und erste Adresse für Supersportwagen und deren Umbauten, die Möglichkeit eine Probefahrt „der etwas anderen Art“ mit dieser limitierten Sonderserie zu fahren.

Normalerweise kann man das wahre Potenzial dieses Extremsportlers nur auf Rennstrecken testen aber leider sind die im Februar noch gesperrt. Also was tun?

Kurzum wird ein Wirtschaftsweg in Ahlen gesperrt: Länge 2.800 Meter, Breite 2,5 Meter. Das reicht um einen kleinen Eindruck dessen zu gewinnen wozu der für die FIA-GT Markenweltmeisterschaft entwickelte Super-Sportwagen in der Lage ist.

An einer Straßenzulassung wird bereits seit 6 Monaten gearbeitet. Ein eigens für edo competition von KW entwickeltes Sportfahrwerk mit Liftfunktion für die Vorderachse (beim Überfahren von hohen Kanten unerlässlich) wurde bereits montiert. Die ab Werk montierte Karbonbremsanlage flog raus – zu lange Aufwärmzeit – und wurde gegen eine Keramik-Verbund Bremsanlage ersetzt. Eine neue Sportauspuffanlage, nun mittels Fernbedienung laut und leise zu stellen, ersetzt die original vorhandene Rennauspuffanlage. Neue Sport-Felgen, vorne in 19 Zoll, hinten in 20 Zoll sowie mit dem Reifenpartner Michelin entwickelte straßentaugliche Reifen, sorgen für den notwendigen Grip.

Das nun Temperatur gesteuerte Lüfter für die Wasserkühler, eine Wegfahrsperre, eine Lichtanlage und eine Hupe eingebaut wurden um diesen Wagen street-legal zu fahren, sei hier nur am Rande erwähnt.

edo competition ist sich sicher: In Kürze wird sich ein neuer Besitzer des MC12 Corsa finden. Wird es Zahir Rana sein?

Auf den Türen prangt schon die Kanadische Fahne und der Namen des Piloten „Zahir Rana“. Edo Karabegovic wollte Ihm damit eine Freude machen.

Donnerstag, 31. Januar 2008: Es ist ein besonderer Tag und vor allem – es ist trocken.

10 Streckenposten haben sich an den Zufahrten für die wohl teuerste Probefahrt zur Sicherheit aufgestellt. Ein Hubschrauber steht für Filmaufnahmen bereit, Fotografen und die lokale Presse warten, schließlich will man ein solches Ereignis auch festhalten. Die Stadt Ahlen, vertreten durch Heino Hilbert Gruppenleiter für Strassen und Verkehrswesen in Ahlen sei für die Genehmigung noch mal gedankt, ist auch vor Ort. Immer mehr Schaulustige treffen am Straßenrand ein um diesem einmaligen Ereignis beizuwohnen, sieht man doch hier normalerweise nur Trecker und Jogger.

Edo Karabegovic kennt das Fahrzeug gut. Bereits im vergangenen Jahr wurde bei Michelin auf dem Formel 1 Testgelände in Frankreich das Fahrzeug in Bezug auf Abtriebswerte eingehend geprüft und gefahren. Schließlich fährt das Fahrzeug trotz kurzen Renngetriebes 326 km/h. Für den zukünftigen Straßenrenner ist das Messen der Abtriebswerte daher unerlässlich um das Fahren von Höchstgeschwindigkeiten zu erlauben.

Angeschnallt in die maßangefertigten, ultraleichten Karbon Schalensitze mit 6-Punkt Gurten kann es losgehen.

Edo Karabegovic mit Beifahrer Zahir Rana lässt es langsam angehen. Der Maserati springt auf kaum sichtbaren Wellen. Das Fahrwerk wird erstmal angepasst. Die erzielte Höchstgeschwindigkeit spielt hier zunächst keine Rolle, es ist das infernalische Beschleunigen was zählt.

Die geringe Außentemperatur um den Gefrierpunkt ist für ein schlupffreies Beschleunigen nicht gerade hilfreich. Erst im 3. Gang kann Edo Karabegovic das Gaspedal voll durchtreten ohne das der Wagen den ohnehin schon schmalen Landweg verlässt.

Das sequentielle Renngetriebe, welches direkt aus der Formel 1 in diesen Boliden eingebaut wurde, erlaubt Schaltzeiten von unter 150 ms. Der 6 Liter 750 PS Motor beschleunigt dermaßen brutal, dass nunmehr beide wissen was Tunnelblick wirklich bedeutet. Als ob ein Rallyfilm vorgespult abläuft, schießen sich beide durch Zeit und Raum. Die am Straßenrand stehenden Bäume wirken dabei wie eine Wand. Der Maserati zoomt sich mit Raketengeschwindigkeit aus dem Blickfeld. Nicht mehr zu sehen – jeder Gangwechsel jedoch zu hören!

Das Fahrzeug verfügt über keine Heizung aber beiden ist nicht kalt. Der pure Adrenalinausstoß, selbst im 5.Gang drückt es einen dermaßen in die Schale, dass selbst ein Katapultstart nicht schlimmer sein kann.

Zahir Rana ist überzeugt. Selbst in den Genuss gekommen, den Maserati zu fahren, weiß er – hier ist er richtig! So was hat er noch nie erlebt. Selbst sein gelber Ferrari Enzo in Kanada, der mit 660 PS nicht gerade als untermotorisiert gilt, beschleunigt lange nicht so spektakulär.

Am Wendepunkt zurückgekommen, steigt ein glücklicher Zahir Rana aus. Eins ist nun klar, Edo Karabegovic bekommt nach dieser eindrucksvollen Fahrt zwei Fahrzeuge zum Umbau. Ob er den MC12 Corsa bekommt ist fraglich, schließlich ist dieser in festen Händen und bei einem Fahrzugpreis von 1.4 Millionen Euro darf man auch gerne ein paar Nächte darüber schlafen.

P.S. Mittlerweile hat sich auch die Polizei eingefunden. Sie müssen einer Anzeige wegen Ruhestörung aus 6 km!! Entfernung nachkommen.

Ohne offizielle Unterstützung geht es nicht. An dieser Stelle noch einmal ein Dankeschön an alle Verantwortlichen, Anwohner und der Stadt Ahlen, die geholfen haben, dieses Ereignis stattfinden zu lassen.

Technische Daten

Motor
V12 Zylinder,  6,0 ltr.

Leistung
755 PS / (555 kW) bei 8.000 U/min
Max. Drehmoment 740 Nm bei 5.500 U/min

Technik
Leergewicht: 1.150 Kg
Karosserie: Carbon-Fiber, Monocoque
Schaltung: F1, 6-Gang
Stückzahl: 12 + 3 Prototypen

Das Fahrzeug wurde technisch für die Straßenzulassung umgerüstet.

Text- & Bildquelle: edo competition